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Die Verkehrsrechtsschutzversicherung - "Recht haben heißt nicht, dass man auch Recht bekommt"

Die Verkehrsrechtsschutzversicherung - "Recht haben heißt nicht, dass man auch Recht bekommt"

geschrieben von Vivienne Ebeling am 13.06.2019 um 09:54 Uhr

Sie brauchen keine Verkehrsrechtschutzversicherung oder vielleicht doch?

Gehören Sie auch zu den Wenigen, die eine Rechtschutzversicherung für überflüssig halten? Die meisten Aussagen zu diesem Thema sind, dass man sich nicht gerne streitet oder dass wenn man einen Unfall verschuldet, man dann eben auch dafür zahlen wird. Doch wenn es tatsächlich so einfach wäre, warum gibt es dann so viele Gerichte und Anwälte? Die Antwort ist ganz einfach: Recht haben heißt nicht, dass man auch recht bekommt. Denn gerade im Verkehrsgeschehen kann man Unfälle oft nur aus eigener Sicht beurteilen, außerdem ist leider nicht jeder Verkehrsteilnehmer so ehrenhaft und gibt zu, dass auch er nur ein Mensch ist, der Fehler macht.

Wer benötigt eine Verkehrsrechtschutzversicherung?

Ganz einfach gesagt benötigt jeder der das Haus verlässt eine Verkehrsrechtsschutzversicherung. Auch wenn man den Verkehr immer mit Kraftfahrzeugen in Verbindung bringt, so ist bei dem Begriff Verkehrsrechtschutz jeder betroffen, ob Sie Führer eines motorisierten Fahrzeuges sind, ein Fahrradfahrer, Fußgänger oder Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel. Sobald Sie einen Fuß vor die Haustür setzen nehmen Sie am Verkehr teil. Nun könnten Sie den Einwand bringen, was man als Fußgänger schon für Rechtsstreitigkeiten im Verkehr haben könnte, doch gerade hier gibt es den größten Irrtum. Wenn Sie zum Beispiel die Straße überqueren und das heranfahrende Auto nicht wahrnehmen. Als Folge weicht der Autofahrer aus und prallt gegen eine Laterne und schon sind Sie in einen Unfall im Verkehr verwickelt. Eventuell stellt der Fahrzeugführer überhöhte Forderungen an Sie. Wenn dieser sich einen Anwalt nimmt können Sie als Laie sich nur schwer wehren und benötigen ebenfalls einen Rechtsbeistand. Dies kann schnell mehrere Tausend Euro kosten.

Für welche Rechtstreitigkeiten leistet die Verkehrsrechtsschutzversicherung?

Wie bei jeder Versicherung gibt es auch hier unterschiedliche Bedingungen bei den Versicherern. Daher haben wir hier die grundlegendsten Rechtstreitigkeiten aufgeführt, für die fast jede Gesellschaft leistet:

- Streitigkeiten mit der KFZ-Steuerbehörde, wegen falsch oder zu hoch erhobener Steuern
- Bei falsch ausgestellten Bußgeldern
- Bei Unfällen im Verkehr, ganz gleich ob Sie Beschuldigter oder Unfallopfer sind
- Bei Streitigkeiten mit Kfz-Werkstätten (z.B. wegen falschen Reparaturen, beim Autokauf etc.)

Jedoch gibt es auch einige Rechtslagen, für die die Verkehrsrechtsschutz prinzipiell nicht aufkommt. So sind zum Beispiel Schäden nicht mitversichert, die aus vorsätzlichen Straftaten resultieren, wie das Fahren unter Alkohol Einfluss oder ohne Führerschein. Auch Streitigkeiten um Bußgelder werden nur dann übernommen, wenn sie nachweislich falsch sind. Bei Fällen in denen Ihre KFZ-Haftpflichtversicherung zuständig ist, tritt die Verkehrsrechtschutz ebenfalls nicht in Kraft, wie zum Beispiel bei Schadensersatzansprüchen Dritter (Schmerzenzgeld etc.).

Welche Leistungen erbringt die Verkehrsrechtsschutzversicherung?

Schon bevor der Rechtsstreit beginnt kann die Verkehrsrechtschutz durchaus hilfreich sein. Bei den meisten Tarifen ist schon eine vorherige telefonische Beratung durch einen Anwalt im Tarif enthalten. Hier wird die Rechtslage beurteilt und erklärt, wie auch die korrekte Verhaltensweise um die Lage nicht noch zu verschlimmern. Auch bei der Anwaltssuche ist die Versicherung behilflich. Sollten Sie dann einen Anwalt konsultieren, so wird von der Versicherung geprüft ob sie diesen Fall übernimmt. Am wichtigsten ist jedoch die Kostenübernahme, daher sind im Folgenden alle Kosten aufgeführt, welche in der Regel von Ihrer Versicherung übernommen werden:

-Anwaltskosten
-Gerichtskosten
-Kosten des Gerichts und des gegnerischen Anwalts, falls Sie den Prozess verlieren
- Strafkaution bis ca. 50.000€, um Ihnen den Gefängnisaufenthalt zu ersparen, bis zum Gerichtsurteil
- Zeugengelder, sprich die Kosten welche den Zeugen entstehen, um an Ihrem Prozess teilzunehmen
- Kosten für Zwangsvollstreckung

Diese Kosten werden immer bis zur vereinbarten Versicherungssumme übernommen. Sie finden diese in Ihrer Versicherungspolice.

Wer ist in der Verkehrsrechtsschutzversicherung abgesichert?

Es gibt zwei verschiedene Arten eine Verkehrsrechtsschutzversicherung abzuschließen:

1. Sie schließen den Versicherungsschutz für ein Fahrzeug ab. Dies beinhaltet alle Fahrzeughalter,-Eigentümer und alle berechtigten Fahrer so wie Insassen des Fahrzeugs. Der Versicherungsnehmer ist auch bei gemieteten Fahrzeugen, als Fußgänger, Fahrradfahrer oder Fahrgast abgesichert.

2. Sie schließen einen Komplettschutz ab. Bei diesen Tarifen ist die ganze Familie ( Ehegatten, Lebenspartner, Kinder…) und alle Fahrzeuge der Familie abgesichert in jeglichen Fällen, welche von der Versicherung übernommen werden. Hier ist jedoch darauf zu achten, wie lange Ihre Kinder mit abgesichert sind, da es hier erhebliche Unterschiede bei den Gesellschaften gibt.

Worauf ist bei dem Abschluss einer Verkehrsrechtschutzversicherung zu achten?

Hier gilt es zum einen auf die Versicherungssummen zu achten. Sind diese zu niedrig angesetzt, so kann Sie ein Rechtsstreit trotz allem finanziell stark belasten. Informieren Sie sich daher vorher wie hoch die Kosten maximal werden können. Auch auf die Leistungen sollten Sie besonders achten. Die zuvor genannten Leistungen sollten in jedem Fall enthalten sein, da diese meist in Anspruch genommen werden müssen. Hinzukommt die Wartezeit. Denn immer öfter werben Gesellschaften damit keine Wartezeit zu haben. Dies bedeutet jedoch nur wenn ab Zeitpunkt des Abschlusses der Versicherung ein Ereignis eintritt, welches zu einem Rechtsstreit führt, dieser übernommen werden kann. Sollte der Rechtstreit zwar erst nach Abschluss der Versicherung eintreten, dass Ereignis, um das es geht jedoch vor dem Abschluss liegen, so wird dieser Rechtsstreit meist nicht übernommen.

Auch über die Selbstbeteiligung sollte man sich bei der Suche einer Verkehrsrechtsschutzversicherung Gedanken machen. In der Regel liegt die Selbstbeteiligung zwischen 150€ bis 500€. Je höher die Selbstbeteiligung, desto günstiger wird der monatliche Versicherungsbeitrag. Sie sollten sich daher überlegen wie viel Sie aufbringen können, wenn es zu einem Rechtsstreit kommt, da Sie die Selbstbeteiligung auch dann zahlen müssen, wenn Sie den Rechtsfall gewinnen und die anderen Kosten von der gegnerischen Seite übernommen werden.

Abschließend lässt sich hinzufügen, dass diese spezielle Rechtsschutzversicherung einzeln abgeschlossen werden kann oder Sie zu Ihrer bisherigen Rechtschutzversicherung diesen Tarif hinzubuchen können. So oder so ist sie für jeden sinnvoll und früher oder später kommt jeder einmal in die Lage sie in Anspruch nehmen zu müssen, denn Menschen werden immer Fehler machen, nur das einige sie zugeben und andere leider nicht. Dann müssen Sie eventuell für Ihr Recht kämpfen.

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